Projekt Fintau-Altarm

Reaktivierung und naturnahe Gestaltung eines Fintau-Altarmes in Lauenbrück

Auf Vorschlag des ASV " Forelle" und der Fintauschule wurde der alte Fintaualtarm am Sportplatz, der 1955-56 im Zuge der Fintau-Begradigung abgetrennt wurde, in vierwöchiger Bauzeit (April-Mai 2008) wieder angeschlossen und naturnah gestaltet. Die Maßnahme ist Bestandteil des vom Nds. Umweltministerium geförderten und finanzierten Modellprojekt Wümme.

Die Projektleitung hatte der Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Betriebstelle Verden (www.nlwkn.de); Träger der Maßnahme war die Arbeits-gemeinschaft der Unterhaltungsverbände im Einzugsbiet der Wümme (BG 24), vertreten durch den Gewässer- und Landschaftspflegeverband (GLV) Teufelsmoor (http://wabo-teufelsmoor.de).

       Wiederherstellung des verfüllten Altarm-Profils                 Der Fintaualtarm 2 Tage nach Ende der Bauarbeiten              

Mit Beteiligung aller Kooperationspartner (NLWKN, UHV Obere Wümme, Gemeinde Lauenbrück und Samtgemeinde Fintel, Angelverein & Fintauschule) fand der erste Spatenstich am 24. April 2008 statt. Auch die Schüler der Fintauschule ("Das fließende Klassenzimmer") halfen bei der Umsetzung tatkräftig mit: Sie setzten kleine Erlen zur Ufersicherung, pflanzten schützenswerte Vegetationsbestände um und schaufelten Kies für die Meerforellen-Laichbetten in die Fintau. Am 20.5.2008 konnten die Bauarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden.

Inzwischen entwicklet sich der reaktivierte Fintaualtarm sehr gut. Inzwischen laichen hier wieder Meerforellen, Mühlkoppen sowie Fluss- und Bachneunaugen !

Der ASV "Forelle" bedankt sich bei allen, die dazu beigetragen haben, das Projekt von der ersten Idee bis zur Ausführung zu bringen, insbesondere bei Heino Peters von der Fintauschule Lauenbrück, der Gemeinde Lauenbrück, dem Unterhaltungsverband Obere Wümme, der Sparkasse Scheeßel,  den Flächenanliegern und dem NLWKN in Verden  !

     Pflanzung von Jungerlen zur Ufersicherung                          Auslaufbereich des wieder angeschlossenen Altarmes

siehe auch unter:

Pressemitteilung des NLWKN vom 24.4.2008  

Exkursions-Handout NNA-Seminar am  29.5.2008


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Weitere Kurzinfos zum Projekt:

Trägerschaft

Träger der Maßnahme ist die Arbeitsgemeinschaft der Unterhaltungsverbände im Einzugsgebiet der Wümme (= Bearbeitungsgebeit 24 - Wümme), vertreten durch den Wasser- und Bodenverband Teufelsmoor. Fachlich wird das Projekt durch den Niedersächsichen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und naturschutz (NLWKN), Betriebsstelle Verden begleitet und koordiniert.

Anlass der Planung

Die Fintau ist Bestandteil des „Modellprojektes Wümme - Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie im Bearbeitungsgebiet 24 - Wümme“. Im Rahmen des Modellprojektes Wümme werden u. a. ausgewählte Renaturierungsmaßnahmen, die in beispielhafter Weise der Erreichung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie („guter ökologischer Zustand“) dienen, gefördert und umgesetzt.

Der Unterlauf der Fintau wurde in den Jahren 1955-56 zwischen Lauenbrück und Vahlde auf einer Länge von sechs Kilometern ausgebaut und begradigt, um die landeskulturellen und wasserwirtschaftlichen Bedingungen der zuvor unter Staunässe leidenden Niederung zu verbessern. Dabei wurde der Bach mit einem verbreiterten Ausbauprofil versehen und durch den Einbau von Sohlabstürzen abschnittsweise aufgestaut. Bei diesen Ausbaumaßnahmen wurde auch der heutige Altarm am Tennisplatz Lauenbrück vom Verlauf der Fintau abgeschnitten. Die Fintau weist trotz vorliegender morphologisch-struktureller Defizite (erhöhte Sandfracht, Uferabbrüche, fehlender Gehölzbewuchs u. a) noch ein bemerkenswertes Fischarteninventar auf. Vor allem als Lebensraum gefährdeter Arten wie Lachs, Meerforelle, Mühlkoppe und Bachneunauge hat die Fintau eine überregional hohe Bedeutung für den Fischartenschutz.

Ziel der Planung

Auf gemeinsamem Vorschlag des Angelsportverein „Forelle“ e. V. Lauenbrück und der Fintauschule Lauenbrück soll der Altarm der Fintau in Lauenbrück wieder angeschlossen und naturnah gestaltet werden.

Ziel der Planung ist die Reaktivierung, d. h. der Wiederanschluss und die naturnahe Gestaltung des bei der Fintaubegradigung in den Jahren 1955-56 abgetrennten Altarmes in Lauenbrück auf einer Länge von ca. 200 Metern. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die gewässertypische Wiederherstellung der zumeist irreversibel beeinträchtigten Sohlstrukturen (Kiese und Steine) gelegt werden. Diese sind ein Schlüsselfaktor für die Ausbildung artenreicher Fischbiozönosen, insbesondere für die ökologische Gilde der Kieslaicher und strömungsliebenden Arten (u. a. Meer- und Bachforelle, Bach- und Flussneunauge, Lachs, Mühlkoppe, Elritze u. a.), die als sog. biologische Qualitätskomponenten von besonderer Bedeutung für die Sicherung bzw. die Erreichung des „guten Zustandes“ in der Fintau sind.

Gestaltungskriterien / Umsetzung

Die geplante Maßnahme wurde im Vorfeld der Planungen mit allen Beteiligten intensiv und einvernehmlich abgestimmt. Die Gemeinde Lauenbrück stellt das Grundstück, auf dem sich der Altarm befindet, kostenfrei zur Verfügung. Aufgrund der hohen naturschutzfachlichen Bedeutung der umliegenden Flächen erfolgt die Planung und Umsetzung in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutz- und Wasserbehörde des Landkreises Rotenburg (Wümme). So wird insbesondere der Gehölzbestand geschont, wobei lediglich abgestorbene und umsturzgefährdete Bäume entfernt werden.

Bei allen berechneten Abflüssen des neuen Fintauverlaufes ändern sich die Oberwasserstände der Fintau nicht. Die Vorflut für oberhalb gelegene Flächen ist damit gesichert. Der jetzige Verlauf soll aber als Hochwasserentlastung erhalten bleiben.

Weiterhin ist die Anlage eines auetypischen, naturnahen Stillgewässers geplant, das insbesondere dem Amphibien- und Libellenschutz sowie der Kompensation bau- und anlagebedingter Eingriffe in den vorhandenen Altarm der Fintau dienen soll. Wasserpflanzen des noch abgetrennten Altarms werden in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde entnommen und in die neu hergestellten Stillgewässer verbracht.

Begleitende Umweltbildungsmaßnahme

Die Reaktivierung des Fintaualtarmes wird durch ein gemeinsames Umweltbildungsprojekt "Das fließende Klassenzimmer" des Angelverein Lauenbrück und der Fintauschule Lauenbrück begleitet. Schüler der 5. und 6. Klasse werden praxisnah mit Fragen der Gewässerökologie und des Fischartenschutzes vertraut gemacht und helfen bei der Renaturierung des Fintaualtarmes tatkräftig mit.